Ratgeber Lexikon

Erklärung Köpenickiade (Hochstapelei)

Unter dem Ausdruck „Köpenickiade“ versteht man eine Form der Hochstapelei, bei der, mittels Ausnutzung der Obrigkeitshörigkeit gegenüber Uniformen, eine Täuschung der Umgebung durch unerlaubte Amtsanmaßung wie dem Tragen einer Uniform vollzogen wird.


Der Ursprung der Köpenickiade



Der Begriff der Köpenickiade geht auf den arbeitslosen Schuster Friedrich Wilhelm Voigt zurück, der als „Hauptmann von Köpenick“ in die Geschichte einging. Am 16. 10. 1906 verkleidete sich Voigt anhand einer beim Trödler erstandenen Hauptmannsuniform als Offizier. So uniformiert gelang es ihm, einen von der Wachablösung kommenden Trupp Garde-Füsiliere anzuhalten. Mit einer gefälschten Kabinettsorder brachte er die Soldaten dazu, sich seinem Befehl zu unterstellen und ließ sie das Rathaus von Köpenick besetzen.

Im Rathaus selbst wurden auf seine Anordnung hin der Bürgermeister Dr. Georg Langerhans und der Stadtkassenretendent von Wiltberg verhaftet und nach Berlin abtransportiert. Zuvor jedoch musste von Wiltberg dem falschen Hauptmann den Inhalt der Stadtkasse, 4000 Mark und 70 Pfennig, gegen Quittung aushändigen. Nach gelungenem Coup verschwand Voigt, ohne dass zunächst an seiner Amtsbefugnis gezweifelt wurde.


Die Köpenickiade als Komödienvorlage



Über den gelungenen Gaunerstreich Voigts lachte ganz Deutschland. Die Köpenickiade inspirierte auch Carl Zuckmeyer zu seiner Komödie „Der Hauptmann von Köpenick“, die später für einen Spielfilm zur Vorlage werden sollte. Die in Zuckmeyers Stück beschriebene starre Bürokratie führte zu einer weiteren Wortbedeutung des Begriffs Köpenickiade: Voigt bekommt keine Arbeit in Köpenick, solange er keinen gültigen Pass und damit eine Aufenthaltsgenehmigung für den Bezirk hat. Da er aber keine Arbeit hat, bekommt er auch keinen Pass. Somit steht der Ausdruck Köpenickiade auch für einander als paradox entlarvende bürokratische Anweisungen.


Die Köpenickiade eines Mörders



Tragisch für mehr als 100 Gefangene endete die Köpenickiade des erst 19-jährigen Gefreiten Willi Herold, der sich im April 1945 im Emslandlager Aschendorfermoor als Hauptmann ausgab und dort Häftlinge erschießen ließ. Nach einem Kriegsverbrecherprozess wurde Herold im August 1946 hingerichtet.